Montag, 15. November 2010

Rohdeismus

11. November 2010
"Pikante Fragen" an das Landeskriminalamt

Als die Kripobeamtin und der Kripobeamte am 3. November 2003 meine Computer unter den Arm geklemmt hatten und zu ihrem Fahrzeug wollten, merkte einer der beiden städtischen Zeugen noch an, er sei bei der Feuerwehr. Die Staatsanwaltschaft Hannover allerdings war nicht so schnell. Dabei hatte der Kripo-Beamte noch vermutet, dass ich Weihnachten meine Computer wieder hätte. Er meinte Weihnachten 2003, nicht Weihnachten 2006...

Da ich nie davon ausgegangen bin, dass die Kripo die Wohnungsdurchsuchung an die große Glocke gehängt hatte, fragte ich mich, warum der "Anzeiger für Burgdorf und Lehrte" als Beilage der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung/Neue Presse Hannover am 6. November 2003 davon wusste. Ich saß am Nachmittag dieses Donnerstages bei einem Mitglied des Vereins "Hilfe für Kinder in Burgdorf", als ein Anzeiger-Redakteur anrief. Er wollte mich sprechen, fragte mich nach der Durchsuchung und bat mich um eine Stellungnahme. Die bekam er. Ich hatte keine Erklärung für das Geschehene.

Am nächsten Tag steuerten jenes Vereinsmitglied und ich eine Tankstelle in Burgdorf an, als mein Handy klingelte. Ein Redakteur der Burgdorfer Wochenzeitung "Neue Woche" hatte den Artikel im Anzeiger gelesen, wollte mehr wissen und verriet mir, dass CDU-Ratsherr Paul Rohde eine mail verschickt hatte, in der er "Interessierte" auf die Wohnungsdurchsuchung aufmerksam gemacht hatte. Woher wusste Rohde, dass bei mir eine Wohnungsdurchsuchung stattgefunden hatte? Hatte einer der beiden städtischen Zeugen geplaudert? Das erfuhr ich nie. Trotz Anfragen an die Stadtverwaltung, die sich ahnungslos gab.

Paul Rohde schrieb sich fortan als Herausgeber des Monatsmagazins "Burgdorfer Umschau" die Finger wund. Dabei erging er sich in haarsträubenden Theorien und bezeichnete mich als "armselig". Jede Ausgabe ließ ich der Staatsanwaltschaft Hannover zukommen. Die wusste also von der Verleumdungskampagne, die in Burgdorf gegen mich lief.

Im Juni 2004 behauptete dieser CDU-Ratsherr "Das Netz um den ehemaligen Publizisten Heinz-Peter Tjaden wird enger." Damals gründete ich in Wilhelmshaven gerade mit anderen eine Wochenzeitung, war also alles andere als ein "ehemaliger Publizist". Wie aus heiterem Himmel stellte Paul Rohde in seinem Magazin "pikante Fragen an das Landeskriminalamt". Die lauteten: "Hat der die Computer im Falle Tjaden untersuchende Beamte jemals privaten Kontakt zu Tjaden gehabt? Ist auszuschließen, dass ein  in Sachen Tjaden ermittelnder LKA-Beamter mit Tjaden privaten Kontakt hatte oder hat?"

Da stand für mich fest: Nun hatte Rohde den Verstand verloren. Das Landeskriminalamt ermittelte gar nicht gegen mich, die Kripo hatte meine Computer bereits im März 2004 gecheckt. "Was Schlimmes" (die Richterin während der Verhandlung am Gründonnerstag 2006) war nicht gefunden worden. Von einer einzigen kinderpornografischen Datei war in der Presse die Rede, vor dem Landgericht in Hildesheim nicht mehr. Der Vorsitzende Richter verwies derlei ins Reich der virtuellen Ammenmärchen.

Rote Ohren hatte dieser CDU-Ratsherr bei der Verhandlung vor dem Burgdorfer Amtsgericht bekommen. Anschließend dichtete er in seinem Magazin der Staatsanwaltschaft von Hannover eine "zweieinhalbjährige Arbeit" an, die ich zunichte gemacht hätte.

Zu dieser "zweieinhalbjährigen Arbeit" merkte das Landgericht Hildesheim am 23. Juni 2006 in einer "dringenden Empfehlung" an die Staatsanwaltschaft Hannover, "die Berufung zurückzunehmen", an: "...dass das Verfahren seitens der Staatsanwaltschaft rund 1 1/2 Jahre lang ohne ersichtlichen Grund nicht betrieben worden ist." (Az. 13 Ns 3744 Js 59979/03)

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